Skip to main content

Luxusuhr.net - Uhren Test, Ratgeber & Kaufberatung

Bruch mit dem Margiela-Erbe des ‘Double Tour’-Lederbands

>> Zu unserer Uhren-Empfehlung

Die Hermès Cape Cod Titanium (Referenz CC5.841) markiert einen klaren Wendepunkt in der Geschichte der Modellreihe. Sie löst das seit 1998 etablierte feministische Image, das durch das doppelt gewickelte Lederarmband von Martin Margiela geprägt wurde, und positioniert die Uhr als sportlich-maskulines Schmuckstück einer wachsenden Haute-Horlogerie-Manufaktur. Dieser Artikel ordnet das Design, die Fertigungstiefe und die technische Weiterentwicklung des Kalibers H1912 ein – alles ausschließlich auf Basis der vorliegenden Fakten.

Historische Einordnung der Cape Cod – vom Damen- zum Unisex-Modell

Die ursprüngliche Cape Cod wurde 1991 von Henri d’Origny entworfen und orientierte sich am Chaîne-d’Ancre-Armband von Robert Dumas (1938). Seit den 1990er-Jahren war die Uhr vornehmlich als polierte Damen- und Dresswatch mit Wickelarmband (Double Tour) konzipiert. Der entscheidende Meilenstein kam 1998, als der damalige Chefdesigner Martin Margiela das doppelt um das Handgelenk geschlungene Lederarmband einführte. Dieses “Double-Tour”-Motiv etablierte die Modellreihe als Mode-Ikone und prägte ihr feminines Image für fast drei Jahrzehnte.

  • Einführungsjahr Double-Tour-Armband: 1998
  • Designer: Martin Margiela
  • Wirkung: Festigung des Damen- und Dresswatch-Images

Die neue Titan-Version bricht bewusst mit diesem Erbe, indem sie integrierte, werkzeuglos wechselbare Kautschukriemen nutzt und damit den Paradigmenwechsel von modischer Damenuhr zu sportlichem Unisex-Modell vollzieht.

Design-Philosophie: Das “Quadrat im Rechteck” und die Materialwahl

Das markante Design-Konzept “Quadrat im Rechteck” stammt ebenfalls aus der Chaîne-d’Ancre-Ästhetik. Die Gehäuseform bleibt rechteckig, die Zifferblattfläche ist quadratisch angeordnet. Die Cape Cod Titanium setzt ein Grade-5-Titan-Gehäuse (Grad 5) ein, das vertikal satiniert und bead-blasted ist. Die effektive Länge von 46,15 mm (Lug-to-Lug) lässt die Uhr zwar optisch etwa 41 mm erscheinen, wirkt aber bei sehr schmalen Handgelenken (unter 16,5 cm Umfang) teilweise unverhältnismäßig.

  • Gehäusematerial: Grade 5-Titan (Grad 5)
  • Wasserdichtigkeit: 10 bar (100 m)
  • Durchmesser (Breite): 33 mm, Länge (Lug-to-Lug): 46,15 mm
  • Höhe: 10,36 mm
  • Armband: Werkzeuglos wechselbare Kautschukriemen (Farben: orange, gelb, schwarz, blau) mit Titan-Faltschließe

Technische Evolution des Kalibers H1912

Das verbauten Kaliber H1912 ist ein echtes Manufakturwerk, das in Kooperation mit der Vaucher Manufacture Fleurier entsteht. Hermès hält seit 2006 einen Anteil von 25 % an Vaucher, um die Entwicklung hochkarätiger Uhrwerke zu sichern. Das H1912 basiert auf dem VMF 3000 und arbeitet mit 28 800 Halbschwingungen pro Stunde (4 Hz). Die aktuelle Generation verfügt über eine freischwingende Unruh mit variabler Trägheit, die die Gangstabilität und Stoßsicherheit deutlich erhöht.

  • Basiswerk: Vaucher VMF 3000
  • Freischwingende Unruh mit variabler Trägheit
  • Schwingfrequenz: 28 800 A/h (4 Hz)
  • Gangreserve: 45 Stunden
  • Juwelen: 28
  • Namensursprung H1912: Bezug zu einer Fotografie aus 1912 (Jacqueline Hermès mit Taschenuhr)

Durch diese technischen Merkmale wird das H1912 von einem reinen Zukaufswerk zu einem hochklassigen Manufakturkaliber der Oberklasse aufgewertet.

Vertikale Fertigungstiefe bei Hermès Horloger

Hermès verfolgt eine gezielte Schweizer Manufaktur-Strategie, die die Fertigungstiefe erhöht und die Qualitätskontrolle stärkt. Das Gehäuse wird bei Les Ateliers d’Hermès Horloger (ehemals Joseph Erard) in Le Noirmont gefertigt. Die Zifferblätter entstehen bei Natéber in La Chaux-de-Fonds, einem Spezialisten, den Hermès 2012 übernommen hat. Diese In-House-Produktion ermöglicht applizierte Indizes und mehrteilige Finissierungen mit außergewöhnlicher Präzision.

  • Gehäusefertigung: Les Ateliers d’Hermès Horloger, Le Noirmont
  • Zifferblattfertigung: Natéber, La Chaux-de-Fonds (Übernahme 2012)
  • Vorteil: Hohe Typografie- und Finissierungsqualität

Zusätzliche technische Daten und Fakten

  • Wasserdichtigkeit: 10 bar (100 m) – Quelle S2 (2026)
  • Lug-to-Lug: 46,15 mm – Quelle S2 (2026)
  • Gangreserve: 45 h – Quelle S3 (2026)
  • Schwingfrequenz: 28 800 A/h – Quelle S3 (2026)
  • Hermès-Beteiligung an Vaucher: 25 % seit 2006 – Quelle S1

Gegenpositionen und Risiken

Obwohl die Cape Cod Titanium viele Stärken besitzt, gibt es kritische Punkte, die für Sammler und potenzielle Käufer relevant sind:

  • Eigenwillige Proportionen: Die offizielle Breite von 33 mm kombiniert mit einer effektiven Länge von 46 mm kann bei sehr schmalen Handgelenken (unter 16,5 cm Umfang) zu einem unausgewogenen Erscheinungsbild führen.
  • Gangreserve: Mit 45 Stunden liegt die Reserve unter dem aktuellen Branchenstandard von 65-72 Stunden im Preissegment von über 6.000 Euro.

FAQs – Häufig gestellte Fragen

Warum galt die Hermès Cape Cod bisher eher als Damenuhr?1998 führte Modeschöpfer Martin Margiela das doppelt gewickelte “Double Tour”-Lederband ein. Dieses Merkmal prägte zusammen mit kleineren Quarz-Ausführungen und Diamant-Lünetten fast drei Jahrzehnte lang das modisch-feminine Bild der Linie.Handelt es sich beim Kaliber H1912 um ein echtes Manufakturwerk?Ja. Das H1912 wird von Vaucher Manufacture Fleurier exklusiv für Hermès gefertigt (Hermès hält 25 % an Vaucher). Es basiert auf der Plattform VMF 3000 und nutzt eine moderne, freischwingende Unruh für präzisen Gang.Kann man an der Cape Cod Titanium auch klassische Lederbänder tragen?Ja. Das Gehäuse besitzt ein Schnellwechselsystem für Armbänder, allerdings ist der Bandanstoß speziell auf die hauseigenen Kautschuk- und Lederbänder von Hermès abgestimmt.

Fazit

Die Hermès Cape Cod Titanium (Ref. CC5.841) demonstriert eindrucksvoll, wie ein traditionsreiches Modehaus den Schritt in die Haute-Horlogerie vollzieht. Sie bricht mit dem 1998 von Martin Margiela etablierten Double-Tour-Erbe, führt ein technisch ausgereiftes Manufakturkaliber H1912 ein und nutzt eine vertikale Fertigungstiefe, die von eigenen Schweizer Werkstätten profitiert. Trotz kleinerer Kritikpunkte – vor allem bezüglich Proportionen und Gangreserve – positioniert sich die Uhr erfolgreich als sportlich-maskulines Schmuckstück, das sowohl modischen Anspruch als auch uhrmacherische Substanz vereint. Ihr Preis von rund 6 150 Euro spiegelt die Kombination aus Material-Innovation, exklusiver Werkherstellung und einer bewusst gesetzten Marken-Evolution wider.

>> Zu unserer Uhren-Empfehlung

Ähnliche Beiträge


Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *