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Schweizer Uhrenexporte 2026: Trendwende, Marktpolarisierung und Sekundärmarkt

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Im Sommer 2026 zeigen die Exportzahlen der Schweizer Uhrenindustrie (FH) erstmals seit sieben Monaten wieder ein Plus. Während die Werte im Juni um 11,2 % auf 2,391 Mrd. CHF und im Juli um 9,6 % auf 2,628 Mrd. CHF steigen, bleibt die zugrunde liegende Stückzahl niedrig. Diese Entwicklung spiegelt eine strukturelle Polarisierung hin zu Ultra-High-End-Marken wider und wird zugleich von einem stark wachsenden Gebrauchtuhrenmarkt begleitet.

Exportzahlen Juni und Juli 2026 – Fakten und Entwicklungen

  • Juni 2026: Exportwert 2,391 Mrd. CHF (+11,2 % YoY)
  • Juli 2026: Exportwert 2,628 Mrd. CHF (+9,6 % YoY)
  • Kumuliert Jan-Jul 2026: 15,451 Mrd. CHF (+0,9 % gegenüber 2025)
  • Stückzahlen: Juni 1,293 Mio. Stück (+10,6 % YoY), Juli 1,523 Mio. Stück (+6,8 % YoY)
  • Besonders stark: Bicolor-Modelle (+42,1 % Wertzuwachs im Juni)

Leitmärkte – USA als Wachstumstreiber, China als Bremse

  • USA: 701 Mio. CHF Exportwert im Juli (+26,5 % YoY) – über ein Viertel des Gesamtwerts
  • China: Rückgang um 18,5 % im Juli
  • Großbritannien: +9,5 % im Juli
  • Hongkong und Singapur: leichte Zuwächse (+0,5 % bzw. +2,3 % im Juli)
  • Japan: -3,7 % im Juli

Frankreich verzerrt das Bild

Die Exportzahlen nach Frankreich steigen im Juni um 103,5 % und im Juli um 104,6 % – ein Effekt, der nicht aus einer gesteigerten Binnennachfrage resultiert, sondern aus der Nutzung Frankreichs als Logistikdrehscheibe. Ohne diesen Hub-Effekt würde das bereinigte FH-Wachstum im Juni nur +5,6 % und im Juli +4,8 % betragen (Bernstein-Berechnung).

Der sprunghafte Anstieg in den französischen Zahlen verdeutlicht, wie stark Warenverschiebungen und veränderte Importzölle die offizielle Statistik beeinflussen können. Analysten mahnen daher zur Vorsicht, wenn die europäischen Wachstumsraten interpretiert werden.

Branchenanalysten betonen, dass die jüngste Erholung der Exportwerte vor allem die zunehmende Polarisierung des Schweizer Uhrensektors widerspiegelt (Morgan Stanley / LuxeConsult, 2026). Während sich die globale Nachfrage im Ultra-High-End-Segment und bei traditionsreichen Großmarken konsolidiert, geraten die industriellen Mengentreiber weiter unter Druck. Die Diskrepanz zwischen steigenden Durchschnittspreisen und schrumpfenden Gesamtexportmengen verdeutlicht den strukturellen Wandel: Wertschöpfung wird zunehmend über Exklusivität und Edelmetalle generiert, nicht über das Stückzahlvolumen.

Oben und unten läuft es – Preissegmente im Fokus

Die Preisentwicklung zeigt ein zweigeteiltes Bild:

  • Segment 200-500 CHF: Wertzuwachs +54,1 % im Juni, +26,1 % im Juli
  • Segment >3.000 CHF: Wertzuwachs +14,2 % (Juni) bzw. +12,0 % (Juli)
  • Mittleres Segment 500-3.000 CHF: Wertverlust -4,7 % (Juni) und -3,9 % (Juli)

Die Swatch Group verzeichnet für das erste Halbjahr zweistellige Umsatzsteigerungen bei Longines, Tissot und Hamilton – Marken, die im unteren Preissegment (200-500 CHF) aktiv sind. Gleichzeitig bleibt das mittlere Segment schwach, was für etablierte Mittelklasse-Hersteller eine Herausforderung darstellt.

Strukturelle Polarisierung – ‚Big Four‘ dominieren die Wertschöpfung

Der Anteil der vier größten Marken am Gesamtumsatz beträgt rund 30-33 % (Morgan Stanley & LuxeConsult, 2026). Diese „Big Four“ – Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet und Richard Mille – sowie Schmuckuhrenhäuser wie Cartier bündeln den Großteil der Wertschöpfung, während mittelpreisige Volumenmarken Marktanteile verlieren.

  • Marktanteil Rolex am Schweizer Uhrengesamtumsatz: ca. 30-33 % (Umsatz 10-11 Mrd. CHF)
  • Rückgang der Gesamtexportmenge gegenüber dem Vor-Krisen-Niveau: -13,8 % (2023-2025)

Diese Konzentration erklärt, warum Zulieferbetriebe trotz Rekord-Exportwerten Personalabbau verzeichnen: Die Produktion komplexerer, hochpreisiger Modelle erfordert weniger Bauteile pro Stück.

Sekundärmarkt und Rolex CPO-Programm – Dynamik im Gebrauchtsegment

  • Transaktionsvolumen Gebrauchtuhrenmarkt H1 2026: 10,5 Mrd. USD (+37,2 % YoY)
  • Rolle von Rolex: 41 % des Gesamtvolumens (~4,3 Mrd. USD)
  • Rolex Certified Pre-Owned (CPO) Programm: 385 Mio. USD Transaktionsvolumen (+101 % YoY)
  • Ungetragene Rolex-Uhren: -24,7 % YoY auf 335 Mio. USD

Der CPO-Crossover bedeutet, dass zertifizierte Gebrauchtuhren nun ein höheres Handelsvolumen erreichen als fabrikneue, ungetragene Modelle. Der Sekundärmarkt wird damit zu einem eigenständigen Wachstumstreiber, der die Gesamtmarktstimmung beeinflusst.

Risiken und Gegenläufige Effekte

  • Export-Daten (Sell-in) spiegeln nicht zwangsläufig den Endkunden-Abverkauf (Sell-out) wider – Lageraufbau nach Messen kann zu verzögerten Stornowellen führen.
  • Klumpenrisiko USA: Über ein Viertel der Gesamtexporte entfällt auf die USA; eine konjunkturelle Abschwächung dort könnte nicht durch den schwachen chinesischen Markt kompensiert werden.

FAQ – Häufige Fragen

Warum steigen die Exportwerte, während Manufakturen wie Chopard oder IWC Stellen abbauen?

Das Wachstum resultiert primär aus höheren Durchschnittspreisen pro Uhr im Ultra-Luxury-Segment, während die exportierte Gesamtzahl an mechanischen Standardwerken und Gehäusen sinkt. Arbeitsintensive Zuliefer- und Montagebereiche werden dadurch stärker belastet.

Was bedeutet der Begriff „Rolex CPO Crossover“ im Gebrauchtmarkt?

Er bezeichnet den Punkt, an dem vom Hersteller zertifizierte Gebrauchtuhren (Rolex Certified Pre-Owned) auf dem Sekundärmarkt ein höheres Handelsvolumen erzielen als neuwertige, ungetragene Uhren aus dem Graumarkt.

Fazit

Die Schweizer Uhrenexporte haben im Sommer 2026 eine bemerkenswerte Erholung gezeigt, angetrieben vor allem durch die USA und das Ultra-High-End-Segment. Gleichzeitig verdeutlichen die schwächelnde mittlere Preisklasse, der Rückgang der Stückzahlen und die stark verzerrten französischen Zahlen, dass die positive Entwicklung nicht automatisch eine nachhaltige Trendwende bedeutet. Der wachsende Sekundärmarkt, insbesondere das Rolex-CPO-Programm, unterstreicht die zunehmende Bedeutung von Wert- statt Mengen-Strategien. Entscheidend bleibt, ob die positiven Exportzahlen in reale Endkundeverkäufe umgemünzt werden und ob die USA ihr starkes Momentum halten können, während der asiatische Markt weiter unter Druck bleibt.

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