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Gallets Relaunch im House of Brands: Kampf um das mittlere Schweizer Uhrensegment

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Der erneute Auftritt der traditionsreichen Marke Gallet, unterstützt von Breitlings neuem House of Brands, markiert einen Wendepunkt im strategischen Kampf um das einst florierende mittlere Preissegment der Schweizer Uhrenindustrie (Preisbereich 2.000-5.000 US-Dollar). Während die Branche seit über einem Jahrzehnt von einer Verlagerung hin zu Ultra-Luxury-Preisen und schrumpfenden Produktionsvolumina geprägt ist, versucht Gallet mit einer Preisstrategie von 2.900 $ bis 6.700 $ und einer breiten Distribution über Breitling-Boutiquen, das Segment wiederzubeleben. Die nachfolgenden Abschnitte beleuchten die Hintergründe, Daten und Risiken dieses Vorhabens.

Der strukturelle Volumeneinbruch der Schweizer Uhrenindustrie

Laut dem Morgan-Stanley-Report (2025) sank das gesamte Exportvolumen Schweizer Uhren im Jahr 2025 auf 14,6 Millionen Stück. Das entspricht einem Rückgang von -51 % gegenüber dem Rekordjahr 2011 (nahe 30 Millionen Stück). Der Gesamtwert der Exporte belief sich 2024 auf 26,0 Milliarden CHF. Diese Zahlen bilden das statistische Fundament für die Warnung von Oris-CEO Rolf Studer, dass ein „Pricing out of society“ die gesamte Branche gefährde.

  • Exportvolumen 2025: 14,6 Mio. Stück (-51 % seit 2011)
  • Exportwert 2024: 26,0 Mrd. CHF
  • Marktanteil der vier führenden Hersteller (Rolex, Cartier, Audemars Piguet, Patek Philippe): 49,1 % (2025)

Die Deloitte-Studie (2023/24) bestätigt, dass Führungskräfte den Rückgang der Stückzahlen als das größte operative Risiko für die Schweizer Uhrmacherei bewerten. Sinkende Losgrößen belasten Zulieferer wie den Kaliberhersteller Sellita, der bei geringeren Bestellmengen höhere Stückkosten verzeichnen muss.

Schwäche des mittleren Preissegments – Longines als Fallbeispiel

Das mittlere Segment (2.000-5.000 $) verliert deutlich an Bedeutung. Im Ultra-Luxury-Segment (Uhren > 50.000 CHF) entfielen 2025 bereits 89 % des gesamten Branchenwachstums. Im Gegensatz dazu verzeichnete Longines, ein traditioneller Vertreter des mittleren Segments, im Jahr 2025 einen Umsatzrückgang von -18 % auf etwa 920 Millionen CHF. Zum ersten Mal fiel Longines aus dem Kreis der „Milliarden-Marken“.

  • Umsatz Longines 2025: -18 % (ca. 920 Mio. CHF)
  • Ultra-Luxury-Segment trägt 89 % zum Branchenwachstum (2025)

Diese Entwicklung verdeutlicht, dass selbst etablierte Marken im mittleren Preissegment massiv unter Preisdruck stehen und Marktanteile an Micro-Brands und Smart-Watches verlieren.

Breitlings „House of Brands“ – Dreistufige Markenarchitektur

Georges Kern hat bei Breitling eine dreistufige Markenpyramide etabliert:

  • Gallet: Einstiegs-/Mid-Tier-Marke (Preis 2.500-6.700 $)
  • Breitling: Kern-Luxusmarke (4.000-12.000 CHF)
  • Universal Genève: Haute-Horlogerie (ab ca. 15.000 CHF)

Gallet wird in etwa der Hälfte des weltweiten Breitling-Einzelhandelsnetzes (ca. 300 Boutiquen) angeboten. Jeder Gallet-Uhr ist mit dem Hinweis „Manufactured By Breitling“ versehen – ein klares Signal für Qualität, gleichzeitig aber ein potenzielles Verwässerungsrisiko für die Kernmarke Breitling.

Gallets Relaunch: Preis- und Vertriebsstrategie

Die neu lancierten Gallet-Modelle liegen preislich zwischen 2.900 $ (Flying Officer) und 6.700 $ (Classics-Linie) und nutzen Breitlings B09 Hand-aufzug-Kaliber. Die Uhren werden in Stahlarmbändern angeboten, die identisch mit einigen Breitling-Modellen sind, und profitieren von den Skaleneffekten der Gruppe bei Beschaffung und Fertigung.

  • Preisrange: 2.900 $ – 6.700 $
  • Vertrieb: ca. 150 von 300 Breitling-Boutiquen weltweit
  • Produktionsbasis: Sellita-Kaliber, gleiche Lieferkette wie Breitling
  • Brand-Message: Abenteuer, Wanderlust, „Manufactured By Breitling“ auf allen Gehäuseböden

Der Ansatz zielt darauf ab, trotz geringerer Margen im mittleren Segment hohe Stückzahlen zu generieren, um die hohen Quadratmeterkosten in Premium-Lagen zu decken. Toby Sutton, U.K.-basierter Vintage-Dealer betont, dass das mittlere Segment ein „großer Markt“ sei, den die großen Marken größtenteils verlassen haben.

Risiken und Gegenargumente

  • Margendruck im stationären Boutique-Vertrieb: Gallet-Uhren erzielen geringere Margen als Breitling- oder Universal-Genève-Modelle, weshalb hohe Absatzvolumina nötig sind.
  • Verwässerungsgefahr für Breitling: Der Hinweis „Manufactured By Breitling“ bei Preisen ab 2.900 $ könnte die Wahrnehmung der Kernmarke im Premium-Segment verwässern.
  • Lieferkettenrisiko: Sinkende Losgrößen bei Sellita erhöhen die Stückkosten, was die Preisstrategie von Gallet unter Druck setzen könnte.

Oris-CEO Rolf Studer warnt: „Everyone is affected, but if we price ourselves out of society, this will have a very negative impact on the whole cause of Swiss mechanical watches.“ Dieser Satz wird im Artikel nach dem Zitat von Studer eingefügt, um die Dringlichkeit zu betonen.

FAQ zum Gallet-Relaunch

  • Wie ordnet sich Gallet innerhalb von Breitlings ‚House of Brands‘ ein? – Gallet ist die Einstiegsmarke (ca. 2.500-6.700 $), Breitling bildet die sportliche Kern-Luxusmitte (4.000-12.000 CHF) und Universal Genève deckt die Haute-Horlogerie ab (ab ca. 15.000 CHF).
  • Warum stellt der Volumenschwund eine Gefahr für die Schweizer Uhrenindustrie dar? – Weniger produzierte Uhren reduzieren die Auslastung von Komponenten- und Werkherstellern (z. B. Sellita). Das führt zu steigenden Stückkosten und gefährdet das dichte Zulieferernetzwerk, von dem unabhängige Marken abhängen.

Ausblick: Kann das mittlere Segment wiederbelebt werden?

Der Erfolg von Gallet wird ein Indikator dafür sein, ob das Schweizer Uhrenökosystem das mittlere Preissegment nachhaltig reaktivieren kann. Sollten die Verkaufszahlen die hohen Fixkosten der Boutique-Flächen decken und gleichzeitig die Lieferkette stabil bleiben, könnte sich ein neues Gleichgewicht zwischen Ultra-Luxury-Wachstum und Volumen-Stabilität etablieren. Andererseits könnten anhaltender Margendruck und die Verwässerungsgefahr für Breitling das Konzept gefährden.

Fazit

Gallets Rückkehr unter dem Dach von Breitlings „House of Brands“ ist mehr als ein reines Markenrevival – sie ist ein strategischer Versuch, das einst dominante mittlere Preissegment der Schweizer Uhrenindustrie wiederzubeleben. Die harten Zahlen – ein 51 %iger Exportrückgang seit 2011, ein 18 %iger Umsatzverlust bei Longines und die Einstufung des Stückzahlverlustes als Top-Risiko – zeigen, dass das Segment unter erheblichem Druck steht. Gallets aggressive Preispositionierung, die Nutzung von Breitlings Produktions-‑ und Vertriebs-Skaleneffekten sowie die klare Markenarchitektur könnten den notwendigen Volumen-Boost liefern. Gleichzeitig bleiben Margendruck, potenzielle Markenverwässerung und steigende Zulieferkosten kritische Stolpersteine. Der Ausgang dieses Experiments wird darüber entscheiden, ob die Schweizer Uhrenindustrie künftig nur noch im Ultra-Luxury-Segment erfolgreich ist oder wieder ein breiteres, für die Gesellschaft erschwingliches Angebot bieten kann.

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